Tanita Tikaram
Tanita Tikaram, (c) Lezli and Rose | Bild: Veranstalter

- Tanita Tikaram

Im September 1988 kam erstmals das eigenständig geschriebene Debüt Album „Ancient Heart“ der gerade erst 19 Jahre alt gewordenen Tanita auf den Markt. Die herbstliche Aufnahme umfasst nicht-rockige Instrumente wie die Oboe und das Flügelhorn, und in der Mitte erklingt die dunkle, in Brand setzende Stimme von Tanita Tikaram.

Ein Album mit einer derart puren Melancholie, das war eine Anomalität. Dennoch verkaufte es sich 4 Millionen Mal und schuf vier Chart-Singles. Die erste Single „Good Tradition“ erreichte die Top 10, und „Twist in My Sobriety“ wurde von einem Dutzend Künstlern gecovert – unter anderem von Liza Minelli, die eine berauschende elektronische Version hervorbrachte.

Im gleichen Jahr kamen Top of the Pops, eine ausgedehnte Tour und eine Welle von  Riesenhits, die sie - „The Bard of Basingstoke“ - krönten. Dies war u.a. der Intransparenz ihrer Person, und um ganz offen zu sein, auch ihrer gewissen ernsten Distanziertheit zu verdanken. Zurückschauend denkt sich Tanita, dass sie nochmal glimpflich davon gekommen ist. „Als ich jung war, war ich noch etwas arrogant“, sagt sie. „Es war harmlos, „The Bard of Basingstoke“ genannt zu werden, aber jetzt würde ich mich total schutzlos fühlen, wenn ich wieder 18 wäre. Ich wurde ins Rampenlicht geworfen, aber ich war so verträumt, dass es gar nicht seltsam schien. Nun schaue ich zurück und denke mir, wie verrückt das alles war. Ich war sehr naiv.“ Sie hatte nichts von alldem erwartet – sie hatte einen Platz an der Manchester University in den Fächern Englisch und amerikanische Literatur und beabsichtigte, diesen auch anzunehmen. Doch dann wurde „Good Tradition“ zu einem Hit, und ihre Zukunft wurde schlagartig umgeschrieben.

Tikaram ist eine britische Singer-Songwriterin, welche Jahre vor Riot Girl und Lilith Fair eine im Vordergrund der Musik stehende Frau war. Sie schrieb ihre eigenen Songs und war absolut ehrlich zu sich selbst.

Fast 28 Jahre später, mit ihrem neunten produzierten Studio Album „Closer to the People“, zeigt Tanita wieder einmal, dass sie eine der weltweit markantesten Stimmen ist. „Closer to the People“ ist ihr erstes Album seit 2012 „Can’t Go Back“ erschien, und es ist die Arbeit einer immer noch sehr privaten Individualität, deren Songwriting Fertigkeiten mit ihrem Gesang im Laufe der Jahre gereift sind.

Zwischen ihren Aufnahmen hat Tanita schon immer längere Pausen gemacht. Nach „Ancient Heart“ kamen drei Alben in Folge – „The Sweet Keeper“ (1990), „Everybody’s Angel” (1991) und „Eleven Kinds of Loneliness” (1992) – und danach, eine lange Lücke, um wieder Luft zu schnappen. „Wenn man Jung beginnt, dann arbeitet man intensiv, und erst danach versucht man heraus zu finden, wer man eigentlich ist“, sagt sie. Jedes Album seit der frühen 90er wurde bewusst erst nach ein paar Jahren außerhalb des Rampenlichts produziert. Zwischenzeitlich lebte sie ein ruhiges, arbeitstüchtiges Leben in Italien, Frankreich und England. Sie lernte die verschiedenen Sprachen, praktizierte Tai Chi und schrieb weitere Songs.

Die Zeit weit weg von den Auftritten haben ihr einen Kultstatus mit einer Neueinschätzung und Würdigung ihrer Arbeit verliehen. Die Raffinesse ihres unter-dem-Radar-Titels „The Cappuccino Songs“ im Jahr 1998 wird nun hoch gelobt, während ihr 2005 erschienenes jazziges Album „Sentimental“ als verlorene Klassik betitelt wurde. Ein weiteres Schmuckstück ist ihre Interpretation von Lucio Battisti’s „E Penso a Te“ (Und ich denke an Dich), welches sie 1996 veröffentlichte. Dieses Lied ist eines ihrer Favoriten….als passionierte Europäerin schrieb sie dafür den englischen Text – eine Tätigkeit, mit der sie ihre Verbindung zum Kontinent verstärkte

Während der Zeit um „Can’t Go Back“ hatte TANITA so ihre Zweifel, ob sie noch weiter Songs schreiben wollte. Es war die Erfahrung, Teil einer Band zu sein, die sie letztendlich dazu brachte, diesen Pfad weiter zu gehen. „Ich war so aufgeregt und Glücklich über „Closer to the People“, dass ich nun eine ganz andere Perspektive dazu habe. Ich bin viel getourt und fühlte mich, als sei ich mit Freunden unterwegs. Bobby Irwin, der Schlagzeuger, der leider starb bevor das Album abgeschlossen werden konnte, hatte ein Händchen dafür, Menschen zusammen zu bringen. Er ließ mich wie eine echte Musikerin fühlen.”

Das neue Album ist das musikalischste bis jetzt – mit Songs, die von Anita O’Day, Philip Glass und Thelonious Monk beeinflusst wurden, bekam Tanita erst kürzlich den Titel als weltweit renommierteste Sängerin Londons.

“Heute höre ich viel mehr Musik als früher”, sagt sie schlussendlich. „Die größte Offenbarung für mich ist das Erschaffen und Vereinen von Tönen“, was sie eindeutig getan hat, „ich bin keine dramatische Person, aber ich habe Feuer in mir. Wenn auch ein kleines.“