Marius Müller Westernhagen: Das eine Leben
Marius Müller Westernhagen: Das eine Leben | Bild: Cd-Cover, Sony Music

Album-Tipp | 04.06.2022 - Marius Müller Westernhagen: Das Eine Leben

„Das Eine Leben“ ist nach acht Jahren Pause das nunmehr 23. Studioalbum des Ausnahmekünstlers. Damit reflektiert Marius Müller Westernhagen zunächst seine Zeit im Corona-Lockdown, denn als die Pandemie ausbrach, saß Marius Müller Westernhagen in Capstadt fest. Auf den Straßen patrouillierte Militär, um die Einhaltung der Ausgangssperre zu überwachen. Auf allen Kanälen liefen nur noch Breaking News mit immer neuen Hiobsbotschaften zur Pandemie. Woche um Woche verging, ohne dass ein Ende in Sicht war.

Westernhagen blieb gar nichts anderes übrig, als das in neuen Songs zu verarbeiten. Aber nicht nur das, auch andere, tiefgreifende, existenzielle Fragen treiben ihn auf seiner neuen CD um.

Er schärfte in dieser schwierigen Zeit auch seinen Blick für generelle gesellschaftliche Verwerfungen: Er singt von Liebe und Vergänglichkeit, von Politischem und Privatem, von Verrohung, von Macht und Korruption, von Kommerzialisierung in Zeiten sozialer Medien-Herrschaft.

In seinem Lied »Schnee von gestern« kommt Westernhagen zu einem ganz pragmatischen Schluss: „Jeder, dem in diesen Zeiten noch ein Hirn geblieben, kann sich nur besaufen und alle Menschen lieben.“ Und die musikalische Verarbeitung dieser Themen klingt noch immer typisch nach Westernhagen, auch in seinem 74. Lebensjahr. So setzt er sich sogar mit der eigenen Vergänglichkeit auseinander.

In dem düsteren Song „Achterbahngedanken“ singt er von Krankenhausgestalten am lebensverlängernden Tropf und von der Zeit, die wie Sand verrinnt, nur um am Ende festzustellen: „Das Leben ist das Leben, und eh du dich versiehst, ist es das auch schon gewesen.“

Jetzt aber ist „Das eine Leben“ erst mal eine wunderbare CD, der Albumtipp der Woche auf Antenne!

Beitrag von Frank Schroeder