CD-Cover - Bob Dylan: Rough and Rowdy Ways
CD-Cover - Bob Dylan: Rough and Rowdy Ways | Bild: Sony Music

Album der Woche | 27.06.2020 - Bob Dylan: Rough and Rowdy Ways

„Rough And Rowdy Ways“, also „Unebene und grobe Wege“, ist seit acht Jahren endlich wieder eine Dylan-CD mit eigenen Werken, ein Doppelalbum, lange erwartet, und in seltener Einmütigkeit selbst der Fachleute als großartiges Meisterwerk gefeiert.

Bob Dylan hatte ja vor vier Jahren den Literatur-Nobelpreis bekommen für die höchst dichterische Qualität seiner Songtexte, und auch dieses Mal macht er seinem Namen und seiner Auszeichnung alle Ehre. Seine Lyrik steckt voller Anspielungen und Zitate, zum Beispiel aus der Bibel, aus vielen Pop-Songs, Shakespeare-Motive finden sich, und auch in griechischer Mythologie scheint sich der Meister auszukennen, wie beim Titel „Mother of Muses“. Das ist eine Art Hymne an die Mutter der Musen, an Mnemosyne, ein Gospel-Song an die Kunst und speziell an die Musik selbst. In einem anderen Lied, „Goodbye Jimmy Reed“, geht es auch um Musik, wenn auch ganz andere. Der stampfenden Country-Blues ist die ultimative Verbeugung vor dem legendären Blues-Sänger vom Mississippi, Jimmy Reed, der 1976 am Alkohol starb.

Was alle neuen Songs von Bob Dylan eint, ist der Blick in die Geschichte. Da kommt zum Beispiel Julius Cäsar vor, es gibt Verweise auf Homer, aber der Schwerpunkt wird dann doch mit dem 17-Minuten-Titel „Murder Most Foul“ gesetzt. Das ist ein Song über die Ermordung John F. Kennedys, zugleich aber weit mehr als dieses, denn da wird der allgemeine Niedergang Amerikas seit der 60er Jahren beschrieben, bis hinein in die Ära von Donald Trump. Da wird der Finger in die amerikanische Wunde gelegt: Rassenungleichheit, Gewalttätigkeiten, der Gegensatz von Arm und Reich. Cello und Gitarre bieten den perfekten Klangteppich für diese Botschaften, zu denen sich Bob Dylan nur in einem einzigen Interview mit der „New York Times“ geäußert hat. Da hat er die Intensionen seines Songs „Murder Most Foul“ weitergeführt bis hinein in die aktuelle Debatte über die rassistische Polizei-Brutalität gegen George Floyd in seinem Geburtsstaat Minnesota. Zitat: „Das hat mich ohne Ende krank gemacht, zu sehen, wie George so zu Tode gequält wurde“. Dieses ist wohl der zentrale Titel unseres CD-Tipps der Woche: Bob Dylan, „Rough And Rowdy Ways“.

Im kommenden Jahr wird Bob Dylan seinen 80. Geburtstag feiern, und wenn uns Corona nicht einen Strich durch die Rechnung macht, dann wird er auf einer ausgedehnten Welt-Tournee sein exzellentes Alterswerk auch live präsentieren.

Beitrag von Frank Schroeder

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