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Super.Markt - Spartipp | 27.11.2017 - Gleitsichtbrillen aus dem Netz

Online-Optiker verlangen für Gleitsichtbrillen oft viel weniger als die Optiker vor Ort. Zwischen 150 und 800 Euro kann man da angeblich sparen. Doch wie gut sind die Brillen aus dem Internet? Stimmt die Qualität? Wie gut sind sie angepasst? Unsere Fernseh-Kollegen von SUPER.MARKT haben den Test gemacht.

Stufenloses Sehen

Gleitsichtbrillen sind ein „Wunderwerk der Technik“ sagt Christoph Koltermann, Geschäftsführer der Augenoptikerinnung des Landes Brandenburg. Und deren Absatz steigt seit Jahren. Gleitsichtbrillen haben unterschiedliche Sehbereiche, die in der Mitte gleitend ineinander übergehen. Die Brille kann also sowohl als Lese- als auch als Fernbrille genutzt werden, je nachdem, durch welchen Bereich man guckt. Im oberen Bereich des Glases ist der Fernbereich angesiedelt, in der Mitte wird die Zwischenentfernung scharf abgebildet und unten ist der Lese- beziehungsweise der Nahbereich. Optiker empfehlen übrigens, schon bei geringer Alterssichtigkeit auf Gleitsicht zu wechseln. Das erleichtert die Gewöhnung.

Geld sparen beim Online-Optiker

500 bis 1000 Euro sind für eine Gleitsichtbrille bei einem herkömmlichen Optiker schnell ausgegeben. Onlineshops wie Mister-Spex oder Brille 24 bieten Dutzende von Gleitsichtbrillen-Modellen schon ab 100 oder 150 Euro an. Bequem von zu Hause aus kann dann am Bildschirm ausgewählt werden. Aber, im Online-Shop muss sich der Kunde selbst meist beraten. Er kann zum Beispiel ein Profilfoto hochgeladen werden auf dem die Brille dann direkt platziert wird. Bei Mister Spex geht das per Webcam. Mit einer echten Anprobe beim Optiker können diese Methoden nicht mithalten, aber man bekommt einen ersten Eindruck, ob die Brille einem steht, oder nicht.

Drei Anbieter im Test

SUPER.MARKT hat drei Anbieter getestet. Brille 24 hat rund 800 Gleitsichtbrillen für Herren im Angebot, der Internetshop Brillenplatz rund 1.500 und bei Mister Spex gibt es sogar 2500 Modelle. Die Testperson bestellte jeweils ein ähnliches Modell. Kosten: 235 Euro bei Brillenplatz, 250 Euro bei Brille 24 sowie bei Mister Spex - im Laden kosten ähnliche Brillen rund 150 Euro mehr.

Werte aus dem Brillenpass angeben

Damit eine Gleitsichtbrille perfekt passt, sind nicht nur die Fehlsichtigkeitswerte auf dem Brillenpass wichtig sondern auch die verschiedenen Zentrierwerte. Wenn vorhanden, können Kunden diese Werte ihrem Brillenpass entnehmen. Fehlen sie, muss der Optiker oder Augenarzt sie messen. Auch auf eigene Faust ermitteln ist möglich, dazu bieten die Webseiten zum Beispiel linealförmige Schablonen zum Ausdrucken und Ausschneiden. Mit professionellen Methoden eines Optikers kann die Schablone allerdings nicht mithalten. Problem: Fehlen Werte im Brillenpass oder sind die Werte im Brillenpass veraltet, können fehlerhafte Brillen entstehen.

Keine Brille im Test perfekt

Professor Justus Eichstädt von der Technischen Hochschule Brandenburg ist überzeugt, dass der Optiker bei einer Gleitsichtbrille eigentlich den Kunden vor Ort braucht. Auch wenn zwei der drei Brillen auf den ersten Blick gut saßen, stellte der Experte bei allen drei Brillen Mängel fest. Einmal waren die Bügel zu eng anliegend, ein anderes Exemplar saß leicht schief und die dritte Fassung war nicht gut an die Gesichtsform angepasst, was bei längerem Tragen zu Beschwerden führen könnte. Fazit: Alle drei Brillen müssten noch von einem Optiker angepasst werden.

Persönliche Beratung oft sinnvoller

Beim Onlinekauf können Kunden kräftig sparen. Menschen mit komplizierten Sehproblemen profitieren von der Vor-Ort Betreuung. Das gilt laut Stiftung Warentest auch für Personen mit einem breiten Nasenrücken, Ohren auf verschiedener Höhe oder eng oder weit auseinanderstehenden Augen.

Auch bieten Online-Shops meist Brillen mit Standardmaßen an, die nicht auf jede Kopfform gut passen. Auch die Gläser werden oft auf Standardhöhen geschliffen, damit sie auf durchschnittliche Gesichtszüge gut passen. Für viele Kunden bietet sich daher persönliche Beratung vor Ort an. Auch für Unerfahrene oder Menschen, die besondere Anforderungen haben, ist die Vis-à-vis-Betreuung sinnvoller.

Im Straßenverkehr nur eingeschränkt nutzbar

Ein eher unbekannter Fakt: Gleitsichtbrillen aus dem Online-Shop sind im Straßenverkehr nur eingeschränkt nutzbar. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden und folgte damit einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Schleswig-Holstein. Der Zentralverband der Augenoptiker sieht das als Erfolg. Denn „Gleitsichtbrillen, die auf einer zu schmalen Datenbasis gefertigt werden, müssen potenziellen Kunden per Warnhinweis vorab auf ihre eingeschränkte Nutzbarkeit – beispielsweise im Straßenverkehr – hinweisen.“ Der Warnhinweis ist bei den Online-Anbietern allerdings oft nur schwer zu finden, hat unser Test ergeben.

Problemlose Rückgabe

Optiker-Ketten bieten oft mehrere Monate Zeit, die Brille bei Unzufriedenheit zurückzugeben. Die Webshops meist 30 Tage, bei Brille 24 läuft die Frist schon ab Versand der Ware. Alle drei Brillen im Test konnten problemlos zurückgegeben werden. Auch das Geld gab es zurück. Brille 24 kassierte allerdings eine Servicegebühr von 20 Euro.

Beitrag von Juliane Güldner

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