Max Raabe & Palastorchester
Bild: Gregor Hohenberg

- Max Raabe & Palast Orchester

Perfekt sitzt der Frack, es glänzt das Haar, ein kecker Blick und Max Raabe singt mit heiterer Wehmut musikalische Sahnestückchen der zwanziger und frühen dreißiger Jahre. Lieder, Schlager und Couplets. Kubanische Rumbas, fröhliche Foxtrotts und elegante Tangos. Lieder von verblüffend ernsthafter, heiter-melancholischer Leichtigkeit.

Die ironischen Texte treffen heute den Zeitgeist wie vor 80 Jahren.
Auch gut 25 Jahre nach Gründung des Palast Orchesters, nach unzähligen Auftritten im In- und Ausland, von Lübeck bis Los Angeles, von München bis Montreux, verblüfft der Sänger seine Zeitgenossen mit einer phantastischen Unzeitgemäßheit. Ganz anachronistisch und wie aus einer fremden Zeit besingt er „Dein ist mein ganzes Herz“, „Bel ami“, „Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche“ – musikhistorische Juwelen, geradezu archaisch wirkende Lieder der 20er und frühen 30er Jahre, einer lange versunkenen Epoche. Das Wunder ist: Er trägt sie mit einer derart schnörkellos präzisen, staubtrocken nüchternen und zugleich aufregend präsenten Perfektion vor, dass die 80 Jahre alten Lieder so frisch und lebendig klingen wie am ersten Tag. Es sind deshalb keine bloßen Remakes, keine mehr oder weniger gut nachgespielten Schlager, keine süßsauren Erinnerungsstücke für jene Generation, die noch die alten Schellackplatten kannte, sondern herrliche Neuinterpretationen, die das zeitlos Moderne dieser genialen Werke offenbaren. Nicht als Stücke aus dem Historienkabinett, sondern als zeitlos modernes Amusement, dessen verquerer Humor und süffisante Ironie in Deutschland nicht ihresgleichen haben.
Raabe ist ihr vorzüglichster Interpret. Dieser biegsame Bariton, den er bei Bedarf in höchste Tenorhöhen führt und in einen abgrundtiefen Bass stürzt, vereint alles: das gewitzte Knarzen des Coupletsängers, den selbstbewussten Belcanto-Helden, den Schmelz des Revuebeaus, das Falsett des Tingeltangels. Ganz leicht und eindringlich schwebt seine Stimme bei Walter Jurmann’s „Ninon“ durchs Parkett. Einfach unzerstörbar ist der Glaube, der kaum je sonst so schön klingt, wenn Max Raabe leise verspricht: „Irgendwo auf der Welt / gibt’s ein kleines bisschen Glück / und ich träum’ davon in jedem Augenblick...“