100 mal Brandenburg erleben. Hörertipp! - Töpferort Görzke

Ein Hörertipp von Kerstin Kühne aus Ziesar. Besonders die Töpferei hat das Ortsbild geprägt. Bis zu 13 Töpfereien und zugleich 19 Töpfermeister waren in Zeiten guter Konjunktur zu verzeichnen.

Das traditionelle Görzker Braungeschirr und die nach Bunzlauer Art gefertigten Haushaltswaren sind auch heute, fast 300 Jahre nach Gründung der Töpfer-Innung, Markenzeichen für Görzke, die viele Besucher in die Werkstätten und zu den jährlichen Märkten anziehen. Reiterhöfe erwarten ihre Gäste ganzjährig und im Sommer lädt das Schwimmbad zum Besuch ein. Auf dem Handwerkerhof steht die Dampfmaschine der ehemaligen Stärkefabrik zur Besichtigung. Sie ist die einzige erhaltende Maschine dieser Bauart auf dem Gebiet der neuen Bundesländer.

1160 wird Görzke urkundlich erstmals erwähnt. Rund 100 Jahre später erhielt Görzke das Stadtrecht, zu dem die eigene Gerichtsbarkeit und die Münze kam. Der durch Grenzlage bedingte Streit zwischen den brandenburgischen Markgrafen und dem Erzstift Magdeburg, die beide Anspruch auf den strategisch wichtigen Punkt erhoben, war kein guter Nährboden für das Wachstum der Stadt, so dass Görzke 1815 zum Marktflecken/Gemeinde wurde. Urkunden aus dem Mittelalter belegen einen gleichberechtigten Stand der Stadt Görzke mit anderen, heutigen großen Städten wie Berlin, Brandeburg, Rathenow, Prenzlau usw. Im 14 Jahrhundert widersetzten sich diese Städte gemeinsam den königlichen Befehlen und schlossen sich dem sog. „Falschen Waldemar“ an, was ihnen – und so auch Görzke – im Jahre 1350 die Reichsstadt einbrachte. Die nicht mehr erhaltenen mittelalterlichen Wehranlagen, ca. 8 m hohe Mauern, Tore, Wälle und bis zu 6 m tiefe Stadtgräben, führten zu dem Spruch: „Haben wir erst Brandenburg und Zerbst, dann kriegen wir auch Görzke, das Teufelsnest.“

Der Töpfermarkt in Görzke

Vor 20 Jahren fing es mit einer Idee an. Der Vorsitzende des Görzker Fördervereins Peter Ludwig organisiert seitdem den jährlich stattfindenden Töpfer- und Handwerkermarkt. 35 Töpfer, darunter Freunde und Mitstreiter von der Meisterschule, Innungsmitglieder und deren Bekannte begaben sich 1994 auf den Weg in unser kleines Städtchen. Wer wollte damals schon nach Görzke kommen, wo der Ort kaum auf der Landkarte zu finden war? 1996 wurde in der Presse dann von der „Adresse Nr. 1 für Töpfer“ berichtet. Kamen einst 35 Töpfermeister sind es heute doppelt so viel. Gleiches gilt für die Besucherzahlen. Für viele Gäste ist es zur Tradition geworden zu Ostern unserem schönen Städtchen einen Besuch abzustatten.

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